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Ubuntu 26.04

23. April 2026 um 15:48

Ubuntu 26.04 ist fertig und stellt für die nächsten zwei Jahre die LTS-Messlatte. Im Vergleich zu Version 24.04 hat sich viel geändert. Ich habe mich bemüht, in diesem Blog-Artikel die wichtigsten Details knapp zusammenzufassen.

Noch mehr Lesestoff bieten die Release Notes sowie omgubuntu.co.uk. Einige wesentliche technische Neuerungen waren bereits in Version 25.10 präsent (Rust Core Utilities, Dracut, TPM-Verschlüsselung); diese habe ich im Detail bereits im Blog beschrieben.

Der Ubuntu-Desktop mit dem neuen System-Monitor »Resources«

Software

Die folgende Tabelle fasst die Versionen der Kernkomponenten von Ubuntu 26.04 zusammen:

Basis               Programmierung     Server
---------------     --------------     --------------------------
Kernel      7.0     bash       5.3     Apache      2.4
glibc      2.43     gcc         16     CUPS        2.4
Wayland    1.24     git       2.53     MariaDB 11.8 / MySQL 8.4
Gnome        50     Java        25     OpenSSH    10.0
Mesa       26.0     PHP        8.5     PostgreSQL   18
Systemd     250     Podman     5.7     Postfix    3.10
NetworkMan 1.54     Python    3.14     qemu/KVM   10.2
GRUB       2.14     Node.js     22     Samba      4.23

Ubuntu hat eine ganze Reihe neuer Default-Programme:

                     Bisher                 Neu
                     -----------------      -----------
Image-Viewer         Eye of Gnome           Loupe
PDF-Viewer           Evince                 Paper
System Monitor       Gnome System Monitor   Resources
Terminal Emulator    Gnome Terminal         Ptyxis
Video Player         Totem                  Showtime

Apropos Terminal Emulator: Ptyxis ist ein modernes Programm samt GPU-Rendering. Falls Sie noch höhere Ansprüche stellen, steht nun auch Ghostty in den Paketquellen zur Verfügung (Snap-frei mit apt install ghostty).

Standardmäßig nicht mehr installiert wird das Programm Anwendungen & Aktualisierung, mit dem die Paketquellen verändert und proprietäre Treiber installiert werden konnten. Vor allem letztere Funktion war sehr beliebt. Immerhin ist das Programm nur ein apt-Kommando entfernt (apt install software-properties-gtk).

Kein Durchbruch stellt Ubuntu 26.04 bezüglich des Ubuntu-eigenen Snap-Formats dar. Per Default sind überraschend wenige Apps als Snap-Pakete installiert: Firefox, der Firmware Updater, das neue Security Center und die Paketverwaltung App Zentrum alias Snap Store. Das App-Zentrum unterstützt zudem schon seit der vorigen Version auch Debian-Pakete. Die Snap-Revolution bleibt vorerst aus.

Technische Neuerungen

  • Gnome ist jetzt Wayland-only, X11 wird nicht mehr unterstützt. (XWayland natürlich schon, aber nicht der Betrieb von Gnome unter X.)
  • Der Kernel hat einen Sprung auf 7.0 gemacht.

  • Initial-Ramdisk-Dateien werden nun mit Dracut erstellt (schon seit Version 25.10).

  • Chrony ist der Default-Time-Dämon (ersetzt systemd-timesyncd).

  • Rust Utilities: Die Rust-Programme/Utilities sudo-rs und rust-coreutils kommen standardmäßig zum Einsatz (schon seit Version 25.10)

  • Software-Entwicklern hilft das neue Gnome-Programm Sysprof-Programm bei Debugging und Profiling (siehe https://apps.gnome.org/de/Sysprof/).

  • ROCm: Ubuntu ist stolz darauf, dass die Installation der ROCm-GPU-Bibliotheken von AMD nun ganz einfach mit sudo install rocm gelingt. Praktisch ist das vor allem für KI-Anwendungen und die Ausführung von Sprachmodellen. Phoronix hat das ausprobiert und festgestellt, dass damit die sechs Monate alte Version 7.1 auf der SSD landet. (Aktuell wäre 7.2.2.) Das stiftet wenig Vertrauen in die zukünftige Wartung dieser Pakete …

  • Das neue Sicherheitszentrum (security_center, ein Snap-Paket) hilft bei der Ubuntu-Pro-Aktivierung und der Verwaltung weiterer Sicherheitsfunktionen. Die App hat noch Luft nach oben, würde ich sagen.

Das neue Security Center wirkt noch etwas leer.

Vier GByte RAM sind nicht genug

In der Vergangenheit waren 4 GiB RAM bei den meisten Distributionen zumindest für erste Tests ausreichend. Ubuntu verlangt für Desktop-Installationen nun offiziell 6 GiB. Eine praxisnahe Nutzung unter 8 GiB RAM ist sicher nicht zu empfehlen; das galt auch schon für frühere Versionen. Andererseits waren die 4 GiB lange absolut ausreichend, um Ubuntu zumindest in virtuellen Maschinen einfach schnell mal auszuprobieren. (Und bei vielen anderen Distributionen reicht das noch immer.) Insofern stellt sich die Frage, warum Ubuntu so viel mehr Arbeitsspeicher braucht. (Snap?)

Im Internet gibt es unterschiedliche Angaben, ob der Betrieb nicht doch mit 4 GiB gelingt. Vermutlich. In einer meiner Testinstallationen (6 GiB RAM in einer virtuellen Maschine) sind nach dem Desktop-Login noch 3 GiB verfügbar.

free -h
               gesamt       benutzt     frei      gemns.  Puffer/Cache verfügbar
Speicher:      5,3Gi       2,2Gi       1,7Gi       108Mi       1,6Gi       3,0Gi
Auslager:      4,0Gi          0B       4,0Gi

Andererseits blieb eine virtuelle Installation auf einem MacBook mit UTM vor ein paar Tagen hängen (schon während der Installation, nicht im Betrieb). In der Folge habe ich auf weitere 4-GiB-Tests verzichtet. So relevant ist das Limit für mich nun auch wieder nicht. Meine Rechner sind mit ausreichend RAM ausgestattet :-)

Letzte Anmerkung zu diesem Thema: Für Ubuntu Server empfehlen die Release Notes ein Minimum von 1,5 GiB. Zur Einordnung: Im Linux-Unterricht verwende ich dutzendweise Alma-Linux-10-VMs mit 1 GiB RAM, die absolut rund laufen.

Gnome Middle-Click

Ich wechsle berufsbedingt viel zwischen Linux und macOS hin und her. Der für mich auf dem Desktop irritierendste Nachteil von macOS besteht darin, dass das Markieren und Einfügen mit der mittleren Maustaste nicht funktioniert (im Terminal schon, aber nicht mit anderen Programmen). Unter Linux verwende ich diese Funktion ständig, sicher mehrere Male pro Stunde.

Die Gnome-Entwickler sind naturgemäß anderer Meinung und wollen Gnome auch in dieser Hinsicht auf das niedrigere macOS-Niveau angleichen. Die Funktion Einfügen per mittlerer Maustaste ist seit Gnome 50 deaktiviert. Wem fällt so ein Wahnsinn ein? Wer keine Maus bzw. kein Trackpad mit drei Tasten hat, konnte die Funktion schon bisher nicht nutzen. Gut, das ist dann nicht zu ändern. Aber warum muss Gnome alle anderen Anwender ohne jede Not gängeln?

Zum Glück kann der Mittelklick in gnome-tweaks (Optimierungen) oder mit dem folgenden Kommando reaktiviert werden:

gsettings set org.gnome.desktop.interface gtk-enable-primary-paste true

Ubuntu hat die Gnome-Entscheidung einfach nachvollzogen, scheint also irgendwie einverstanden zu sein. Merkwürdig.

Fazit

Bei meinen nicht allzu intensiven Tests hat Ubuntu 26.04 einen runden Eindruck gemacht. Optisch glänzt der Ubuntu-Desktop: Ich kenne keine andere Distribution, die mir out of the box so gut gefällt.

Davon losgelöst klingt mein Fazit schon seit Jahren ziemlich ähnlich: Linux-Einsteiger können mit Ubuntu nicht viel falsch machen. Für mich persönlich ist Ubuntu aber schon eine Weile nicht mehr die erste Wahl.

Quellen/Links

Andere Tests

Thunderbird 150 veröffentlicht

22. April 2026 um 20:52

Die MZLA Technologies Corporation hat mit Thunderbird 150 eine neue Version seines Open Source E-Mail-Clients für Windows, Apple macOS und Linux veröffentlicht.

Neuerungen von Thunderbird 150

Mit Thunderbird 150 hat die MZLA Technologies Corporation ein Update für seinen Open Source E-Mail-Client veröffentlicht.

Der PDF-Betrachter erlaubt nun das Löschen, Kopieren, Verschieben und Exportieren einzelner Seiten einer PDF-Datei.

In den Einstellungen zum Erscheinungsbild gibt es eine neue Option zur Festlegung der Akzentfarbe. Die Ordnerverwaltungsoption „Letzte Ziele” erlaubt jetzt auch eine alphabetische Sortierung.

Die Unterstützung für unaufdringlicher Signaturen (OpenPGP) wurde hinzugefügt. Die Suche im Nachrichtentext wurde für mit OpenPGP und S/MIME verschlüsselte Nachrichten aktiviert.

Karten aus dem Adressbuch können nun als sogenannte vCard in die Zwischenablage kopiert werden.

Beim ersten Start von Thunderbird wird jetzt die Kontoübersicht geöffnet.

Die Monats- und Wochenansicht im Kalender ist jetzt auch über einen Touch-Bildschirm scrollbar.

Ansonsten bringt die neue Version wie immer weitere kleinere Verbesserungen und eine ganze Reihe von Fehlerkorrekturen, welche sich wie immer in den Release Notes (engl.) nachlesen lassen. Auch Sicherheitslücken wurden im neuesten Update wieder behoben.

Der Beitrag Thunderbird 150 veröffentlicht erschien zuerst auf soeren-hentzschel.at.

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