Normale Ansicht

Aber auf Linux gibt's doch keine Viren!?!11elf!!

31. Juli 2026 um 20:15

Wenn ich mir überlege, dass die heutige Generation Tablet gar nicht mehr in den Kontakt mit Dateisystemen kommt, keine ausführbaren Dateien kennt und nun auch auf Android vom Sideloading befreit wird, sehe ich auch ein Stück Computergeschichte verloren: Die Zeit der Virenscanner. Diese waren in den 2000ern kaum wegzudenken. Viele der verbreiteten Scanner verwandelten sich dann irgendewann zu Bloatware und ab 2015 mit dem Aufkommen von Windows Defender und dem Siegeszug der mobilen Endgeräte verschwanden sie allmählich in ihrer bisherigen Form. Viele der AV-Hersteller haben sich dann auf Endpoint Security und Mobile Device Management konzentriert. Auf den beiden großen mobilen Plattformen iOS und Android gibt es durch das Sandboxing und die regulierte App-Verteilung sowieso Bedingungen, unter denen das Konzept des Virenscanners einfach nicht mehr funktioniert.

Was aber auch zur goldenen Ära der Virenscanner dazugehörte, war das Argument, dass es Viren auf Linux nahezu nicht gäbe. Das System habe von Haus eine strikte Rechtevergabe und da die Verbreitung des Systems im geringen Prozentbereich liegt, ist es für Angreifer schlicht zu irrelevant für die Entwicklung, als dass es ein lohnenswertes Ziel sei.

AUR

Diese Erklärung greift allerdings zu kurz, wenn wir die aktuellen Beobachtungen im Arch User Repository (AUR) einbeziehen. Angriffswellen in bisher beispiellosem Ausmaß zwangen das Projekt bereits, die Registrierung neuer Benutzer abzuschalten. Am 13. Juli wurde die Nutzerregistrierung zwar wieder erlaubt, aber die Gegenmaßnahmen erwiesen sich in der ersten Iteration als wirkungslos. Aktuell wurde die Übernahme von Paketen deaktiviert, da legitime AUR-Pakete immer mehr von Malware befallen werden.

Das Konzept von Arch Linux, die Paketbereitstellung in die „offiziellen Repositories“ von den vertrauenswürdigen Entwicklung und in eine freie Skriptesammlung (AUR) zu unterteilen, erweist sich rückblickend als gute Entscheidung und Balance zwischen Flexibilität, die bisher immer hervorgehoben wurde, und Sicherheit, wie sie jetzt benötigt wird. Glücklicherweise sind die offiziellen Repositories bisher auch nicht betroffen.

Zwei Punkte sprechen meiner Meinung nach dafür, dass Linux immer mehr ein Ziel wird. Erstens ist die Verbreitung von Linux in den letzten Jahren gestiegen, u. a. auch durch integrierte Systeme wie SteamOS. Das ist für den Desktop eine super Sache, aber macht das System für Malware-Autoren immer attraktiver.

Zweitens werden auf Linux-Systemen immer wertvollere Daten verarbeitet. Die Systeme werden überwiegend von Entwicklern genutzt, die wiederum sich damit auf Server, Cloudumgebungen oder LLM-Kontingente schalten. Im Risikozone-Podcast berichten wir mit einer besonderen Hingabe über Supply-Chain-Attacken und hier trifft es besonders oft die SSH-Keys, CI-Variablen, Wallets oder Cloud-Credentials.

Angreifer, die diese Daten erbeuten, können Informationen kopieren – gut, das konnten sie unter Windows auch. Aber speziell unter Linux-Systemen finden sich durch die ganzen Credentials Daten, mit denen Angreifer Rechenzeit klauen können. Das ist quasi wie moderner Kreditkartenbetrug, nur mit einer Indirektion mehr: Während man einen fremdgetätigten Einkauf vor dem Versand noch mit Mühe rückgängig machen kann, ist die Rechenzeit schon verbraucht und der Cloud-Provider treibt einfach nur das Geld ein.

Bei Credentials handelt es sich auch nicht um Daten, vor denen die klassische Rechtevergabe auf dem lokalen Computer schützt. Wenn die Entwicklungsumgebung, die mit Benutzerrechten arbeitet, die Angabe verarbeiten muss, hat Malware, die unter den gleichen Rechten läuft, zwangsläufig auch Zugriff darauf. Hier haben wir es nicht mit Malware zu tun, die Software systemweit installieren möchte. Man könnte zwar einen Proxy einführen, der die API-Keys in einem geschützten Nutzer wegsperrt und durch den man die Anfragen leiten muss, aber das wären nach heutigem Stand individuelle Speziallösungen.

Geschichte wiederholt sich

Linux steht möglicherweise an einem ähnlichen Punkt wie Windows vor drei Jahrzehnten. AUR und aus dem Internet heruntergeladene Skripte sind natürlich grundsätzlich nicht vertrauenswürdig. Das ist ähnlich wie die .exe-Dateien unter Windows, bevor Signaturen und Smart Screen umfangreich ausgerollt wurden. Besonders fies sind allerdings Package-Adoptions, da ehemals vertrauenswürdige Pakete feindlich übernommen werden.

Paketmanager werden ja sowieso im AUR auf eigene Gefahr bereitgestellt und gute Paketmanager lassen die PKGBUILD vorher noch diffen. Aber genau das Vertrauen in die bekannten Prozesse wie Paketupdates lässt Malware in Form einer Supply-Chain-Attacke durch Updates zu.

Wir werden beobachten müssen, wie das AUR-Team mit den Angriffskampagnen umzugehen lernt und wie der Umgang mit solchen Repositories zukünftig aussehen wird.

Aus Viren wurden Exploits

Bleibt abschließend die Frage, was eigentlich aus Windows und macOS wurde. Sind die Systeme malwarefrei geworden? Mitnichten. Der Fakt, dass der Virenscanner obsolet wurde, begründet sich auf der Eindämmung des Verbreitungsweges des freiwilligen Downloads.

Lädt das Opfer die Viren nicht freiwillig herunter oder wird schlicht der Weg durch das Betriebssystem versperrt, werden härtere Geschütze aufgefahren. Das wären konkret Sicherheitslücken, im aggressivsten Fall Zero Days. Und auch hier sehen wir eine deutliche Zunahme und niederschwellige Verfügbarkeit eben solcher, nicht zuletzt durch LLMs.

Für potentiell Betroffene Nutzergruppen ist nun erhöhte Wachsamkeit bei AUR gefragt: PKGBUILDs auch bei Updates individuell kontrollieren, unbekannte Software höchstens in Containern oder VMs auszuführen und Überlegungen anstellen, wer überhaupt auf Credentials zugreifen kann. Wer z. B. Testing und Entwicklung in getrennte Systeme oder VMs auslagert, verringert das Risiko, dass Daten gestohlen werden können.

📚 Scripting (2. Aufl.)

31. Juli 2026 um 11:00

Die 2. Auflage meines Scripting-Buchs ist frisch aus der Druckerei und ab Anfang August im Buchhandel erhältlich. Wie schon die erste Auflage dreht sich alles um die drei Scripting-Sprachen Bash, PowerShell und Python. Für die Neuauflage habe ich das Buch vollständig überarbeitet und aktualisiert. Neu dazugekommen sind unter anderem:

  • Terminal Tuning (»Pimp my Terminal«): Nerd Fonts, Prompt Frameworks, moderne CLI-Tools
  • Python-Modulverwaltung mit uv
  • Ein neues Kapitel zum Erstellen und Zeichnen von Diagrammen
  • Ein neues Kapitel zum E-Mail-Versand per Script
  • Ein neues Kapitel zur Nutzung von KI-APIs in eigenen Scripts
  • Viele neue Praxisbeispiele: Claude-Code-Sessions exportieren, Web Scraping mit Playwright, GPS-Tracks aus Fotos extrahieren, WordPress-Bilder nachträglich mit Alt-Beschreibungen versehen usw.

Das Bild zeigt das Cover des Buchs „Scripting“ von Michael Kofler, 2. Auflage, Rheinwerk Computing.

Gerade jetzt ist Scripting-Wissen wichtiger denn je. KI-Tools wie Claude, ChatGPT oder Gemini erzeugen auf Zuruf Scripts – und führen sie oft gleich selbst aus. Das funktioniert erstaunlich gut, solange jemand am Ruder sitzt, der den resultierenden Code auch beurteilen kann: Welche Sprache eignet sich für die Aufgabe? Was macht dieses PowerShell-Cmdlet eigentlich? Ist der generierte Bash-Einzeiler sicher, oder löscht er versehentlich das falsche Verzeichnis? Ohne dieses Grundwissen bleibt nur blindes Vertrauen in den KI-Output – und das ist bei Code, der auf Servern oder Produktivsystemen läuft, keine gute Idee.

Das Buch vermittelt das Fundament, um Scripts selbst oder mit KI-Hilfe zu erstellen: Crashkurse zu den drei Sprachen, das nötige Handwerkszeug (SSH, Git, VS Code, reguläre Ausdrücke, JSON/XML-Verarbeitung) und zahlreiche Praxisbeispiele aus Backup, Bildverarbeitung, Web Scraping, Datenbank- und Cloud-Administration. Wer diese Grundlagen beherrscht, kann KI-generierte Scripts nicht nur einsetzen, sondern auch verstehen, anpassen und im Zweifel selbst debuggen.

Alle Infos zum Buch, eine Leseprobe und die Bestell-Links finden Sie auf der Buchseite.

Mozilla veröffentlicht Firefox 153 für Apple iOS mit KI-Assistent in den USA

30. Juli 2026 um 20:25

Mozilla hat Firefox 153 für Apple iOS veröffentlicht. Dieser Artikel beschreibt die Neuerungen von Firefox 153.

Die Neuerungen von Firefox 153 für iOS

Mozilla hat Firefox 153 für das iPhone, iPad sowie iPod touch veröffentlicht. Die neue Version steht im Apple App Store zum Download bereit.

Sprachbasierter KI-Assistent für Nutzer in den USA

Für Nutzer eines englischsprachigen Firefox in den USA hat Mozilla mit der Ausrollung eines sprachbasierten KI-Assistenten begonnen. Wird eine Schaltfläche auf dem Startbildschirm betätigt, kann der Nutzer durch gesprochene Sprache Fragen stellen und erhält darauf dann Antworten in schriftlicher Form.

KI-Assistent in Firefox 153 für Apple iOS

Die Sprachverarbeitung erfolgt auf dem Gerät mithilfe der Spracherkennungstechnologie von Apple. Es werden keine Roh-Audiodaten gespeichert oder an den Server gesendet, und Firefox gibt weder den Browserverlauf noch persönliche Kontextinformationen an das KI-Modell weiter. Zur Generierung einer Antwort wird lediglich der transkribierte Text der Frage übermittelt. Wie auch andere KI-Funktionen in Firefox kann auch dieses in den KI-Einstellungen von Firefox vollständig deaktiviert werden.

Sonstige Neuerungen von Firefox 153 für iOS

Das App-Symbol kann jetzt auch via Option, welche nach langem Drücken des Symbols auf dem iOS-Startbildschirm erscheint, geändert werden.

Ansonsten bringt das Update auf Firefox 153 wie immer Detail-Verbesserungen, Fehlerbehebungen sowie Optimierungen unter der Haube.

Der Beitrag Mozilla veröffentlicht Firefox 153 für Apple iOS mit KI-Assistent in den USA erschien zuerst auf soeren-hentzschel.at.

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