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Updates zu lokalen Sprachmodelle: MTP, APEX, Qwopus

28. Mai 2026 um 13:54

Unser Buch Coding mit KI ist gerade erst erschienen, schon gibt es spannende Neuigkeiten rund um die Ausführung lokaler Modelle:

  • Multi-Token Prediction (MTP) ist ein ganz neues Feature in llama.cpp. Seit ein paar Tagen steht es auch in LM Studio zur Verfügung. Durch einen »Trick« (Details folgen gleich) kann mit MTP die Output-Token-Geschwindigkeit deutlich vergrößert werden: laut diversen Benchmarktests im Internet bis auf das Doppelte, in meinen Tests immerhin um ca. 60 bis 70 Prozent.
  • Adaptive Precision for EXpert Models (APEX) ist ein neues Verfahren zur besonders platzsparenden Quantisierung von MoE-Modellen. Der Platzbedarf sinkt je nach Qualitätsstufe auf die Hälfte gegenüber der herkömmlichen 4-Bit-Darstellungen (Q4_x_x).

  • Qwopus ist eine neue Variante zu den Qwen-Modellen, bei denen das Fine Tuning mit Claude Opus verbessert wurde.

Von Speculative Decoding zur Multi-Token Prediction

In Coding mit KI gehe ich kurz auf das Vorgängerkonzept zu MTP ein, auf Speculative Decoding: Dabei führt die Engine (z.B. llama.cpp) zwei Sprachmodelle aus. Das kleinere (schnellere) dient als Draft Model. Während der Token-Generierung macht das Draft Model Vorschläge für die folgenden Token. Das größere, qualitativ bessere Modell überprüft anschließend eine Sequenz mehrerer vorgeschlagener Token auf einmal. Im Idealfall wird die ganze Sequenz akzeptiert. Der Geschwindigkeitsvorteil ergibt sich durch die parallele Verifizierung eines ganzen Token-Blocks. Dazu sind weniger Speicher-Transfers vom VRAM in die GPU notwendig, als wenn jedes Token für sich generiert wird. (Die Token-Generierung wird durch zwei Faktoren limitiert: die Rechenleistung der GPU und die Speicherbandbreite vom VRAM in die GPU-Cores. Speculative Decoding setzt beim zweiten Punkt ein, der oft der limitierende Faktor ist.)

In der Praxis funktioniert das nur mäßig gut: Zum einen ist es schwierig, ein geeignetes Draft Model zu finden. Es muss aus der gleichen »Familie« stammen, aber deutlich kleiner sein, idealerweise etwa um den Faktor zehn. Zum anderen funktioniert Speculative Decoding für Dense Models besser als für Mixture of Experts Models (MoE). Das Problem bei MoE besteht darin, dass bei jedem Token andere »Experten« zum Einsatz kommen können, was den Geschwindigkeitsvorteil von Speculative Decoding teilweise zunichtemacht. Kleinere MoE-Modelle für den Draft-Einsatz haben zudem oft eine andere Experten-Aufteilung, was die Acceptance Rate verringert.

Multi-Token Prediction (MTP) greift die Idee des Speculative Decoding auf. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass ein Modell ausreicht. Ein in das Modell integrierter Layer ist dafür zuständig, rasch ein paar Tokens (üblicherweise 2 bis 4) vorherzusagen. Das Gesamtmodell überprüft dann alle Token auf einmal, was nur unwesentlich mehr Zeit kostet, als ein Token zu berechnen. MTP erspart damit das umständliche Handling mit zwei Modellen.

Speculative Decoding und Multi-Token Prediction sind mit keinerlei Qualitätsverlust verbunden! Es werden exakt die gleichen Ergebnisse erzielt, weil jede Token-Sequenz vollständig kontrolliert und bei Abweichungen verworfen wird. Werfen Sie diesbezüglich einen Blick in das Video von Donata Capitella, das diesen Umstand anschaulich erklärt.

Für den erzielten Geschwindigkeitsgewinn ist der Prozentsatz der akzeptierten Draft Tokens entscheidend. Dieser variiert je Aufgabenstellung: Bei kreativem Text ist die Akzeptanzrate nur mittelmäßig, bei Code hingegen deutlich höher — ganz einfach deswegen, weil Code strengen Regeln folgt und weniger Spielraum als menschliche Sprachen bietet.

Leider ist auch MTP mit Nachteilen verbunden:

  • Das Modell muss für MTP konzipiert sein. MTP muss schon beim Training berücksichtigt werden. Das Modell benötigt einen zusätzlichen Layer für die Token Prediction. Aktuell gibt es nur eine einzige »freie« Modellfamilie mit MTP, nämlich Qwen 3.6 und dessen Variante Qwopus. Gemma-4-Modelle sollten demnächst folgen. In Zukunft wird MTP wohl zu einem Standard-Feature für freie Modelle.
  • Natürlich muss auch die Software MTP unterstützen. Weil viele Programme intern llama.cpp verwenden, wird MTP rasch weite Verbreitung finden.

  • Schließlich teilt sich MTP einen Nachteil mit Speculative Decoding: Es funktioniert bei herkömmlichen Dense-Modellen besser als bei MoE-Modellen (Mixture of Experts). Die ohnedies schon schnellen MoE-Modelle werden also nur geringfügig schneller oder, wie bei einigen meiner Tests, sogar langsamer. Bei den Dense-Modellen ist dagegen eine spürbare Verbesserung zu bemerken. Bei meinen Tests ca. +65%, bei einigen Benchmarks im Internet bis zu +100%, also eine Verdoppelung der Output-Token-Rate.

  • MTP ändert nichts an der Input-Verarbeitung (dem Prompt Processing, pp). Schneller wird nur der Output (die Token Generation, tg).

Dense versus Mixture of Experts (MoE): MoE ist schneller, kann aber qualitativ bei gleicher Modellgröße nicht ganz mithalten. Während bei Dense-Modellen immer alle Parameter aktiv sind, nutzen MoE-Modelle nur wenige, stets wechselnde »Experten«, also Subsets mit viel weniger Parametern. Das spart Zeit, aber kein »Experte« ist so gut wie das volle Modell. Dementsprechend sinkt die Qualität der Antworten, nicht massiv, aber spürbar.)

Praktische Erfahrungen

Ich habe MTP mit LM Studio 0.4.14 auf meinem Framework Desktop ausprobiert (AMD Ryzen Max 395 CPU/GPU). Mein Mini-Benchmarktests lautete: »Explain Python dictionaries«. Die getesteten Modelle denken über diese Frage eine Weile nach und produzieren dann einen mehrseitigen, qualitativ sehr hochwertigen Text mit eingebauten Code-Schnipseln.

LM Studio mit dem Modell Qwen 3.6 und Multi-Token Prediction (MTP)

Ich habe alle Tests mit einem Kontextfenster von 128.000 Token ausgeführt. Bei den MTP-Modellen habe ich die Einstellung MTP Max Tokens = 3 verwendet, also immer drei Tokens auf einmal erzeugt. Alle getesteten Modelle weisen eine 4-Bit-Quantisierung auf (Ausnahme: das APEX-Modell, siehe unten). Als Backend kommt llama.cpp mit Vulkan zum Einsatz.

                                                            Draft Token 
Modell                     MoE   APEX  MTP   Output (tg)    Acceptance
-----------------          ----  ----  ----  ------------   ------------------
qwen-3.6-27b               nein  nein  nein  12,3 Token/s
qwen-3.6-27b-mtp           nein  nein  ja    20,1 Token/s   66,3 %
qwopus-3.6-27b-v2-mtp      nein  nein  ja    19,0 Token/s   63,7 %

qwen-3.6-35b-a3b           ja    nein  nein  69,7 Token/s
qwen-3.6-35b-a3b-mtp       ja    nein  ja    67,1 Token/s   66,6 %
qwen-3.6-35b-a3b-apex-mtp  ja    ja    ja    71,5 Token/s   63,3 %
qwopus-3.6-35b-a3b-mtp     ja    nein  ja    74,2 Token/s   68,2 %

Professionellere Benchmark-Tests hat Donata Capitella durchgeführt (siehe die ersten zwei Links in den Übersicht der Quellen am Ende des Artikels). Interessanterweise ist dort auch bei MoE-Modellen ein spürbarer Geschwindigkeitszuwachs von etwa 30% zu sehen, den ich bei meinen Tests aber nicht nachvollziehen kann.

Qwopus-Modelle

Die neuen Qwopus-Modelle basieren auf Qwen-Modellen, erhalten aber ein zusätzliches Fine-Tuning mit Claude Opus. Dieses soll den Nachdenkprozess beschleunigen und eine bessere Antwortqualität mit sich bringen. Die erste Versprechung trifft definitiv zu, aber ich bin nicht in der Lage, die Qualität des Modells im Detail zu beurteilen. Subjektiv hatte ich den Eindruck, dass die Unterschiede zu den Qwen-Originalen gering sind.

Zum Denkprozess: Beim Prompt »write a Sudoku solver in Python« denkt qwen-3.6-27b-mtp ca. 1:30 Minuten nach, qwopus-3.6-27b-v2-mtp aber ca. nur 1:00 Minuten. (Die Denkzeit hat eine relativ starke Varianz, weswegen hier genaue Angaben sinnlos sind.) Die resultierende Antwort samt Code ist mehr oder weniger gleichwertig (Backtracking-Algorithmus).

APEX Quantisierung

Die Verkleinerung von Modellen bei möglichst geringen Qualitätsverlust ist zu einer eigenen KI-Disziplin geworden. Die Grundidee besteht darin, Milliarden von Parametern (also eigentlich Fließkommazahlen) mit möglichst wenigen Bits darzustellen, ohne dass die Qualität der Ergebnisse allzu sehr leidet.

Der geringere Platzbedarf von Modellen ist insbesondere dann wichtig, wenn der Speicher (VRAM) limitiert ist. Mit einer geschickten Quantisierung läuft ein Modell vielleicht gerade noch auf einer GPU mit 16 GiB VRAM.

Vor ein paar Monaten machte Google mit dem neuen Turbo-Quant-Verfahren Furore. Bei der Recherche für diesen Artikel bin ich nun auf das neue Verfahren Adaptive Precision for EXpert Models (APEX) gestoßen. Das von Local AI entwickelte Verfahren ist speziell für MoE-Modelle optimiert und kompatibel zu aktuellen llama.cpp-Versionen. Die Grundidee besteht darin, dass für jede Parametergruppe eine andere, für den Wertebereich und die Wichtigkeit angepasste Quantisierung verwendet wird. Insofern ist eine klare Bit-Angabe (4 Bit pro Parameter) unmöglich. Technische Details und Benchmarks finden Sie auf der GitHub-Projektseite. Local AI arbeitet daran, Modelle lokal auf Smartphones auszuführen; da ist die möglichst platzsparende Darstellung natürlich wichtig.

Konkret sind APEX-Modelle zum Teil wirklich erheblich kleiner als vergleichbare Modelle mit Q4-Quantisierung, wie sie bei der lokalen Ausführung von Modellen üblich ist. Die folgende Tabelle zeigt lauter Qwen-3.6-Modelle mit jeweils 35 Milliarden Parameter. Das APEX-MTP-Modell benötigt nur halb so viel Platz wie das MTP-Modell mit einer herkömmlichen Q4-Quantisierung.

Überblick der heruntergeladenen Modelle in LM Studio

Leider verrät die Huggingface-Seite des Modells nicht, welche Variante der APEX-Quantisierung verwendet wurde. Es existieren verschiedene Qualitätsstufen, z.B. Quality, Balanced, Compact und Mini. Ich würde vermuten, das Modell ist eher bei Mini als bei Quality angesiedelt.

Modell                      Quantisierung   Größe (Disk)
------------------------    -------------   ------------
qwen-3.6-35b-a3b            Q4_K_M          22,0 GB
qwen-3.6-35b-a3b-mtp        Q4_K_S          23,0 GB
qwen-3.6-35b-a3b-apex-mtp   APEX            11,7 GB (!)

Bei der Ausführung des Modells waren für mich keine nennenswerten Unterschiede erkennbar, weder in der Geschwindigkeit noch qualitativ. Aber nochmals: Das sind subjektive Feststellungen anhand einiger Tests, keine objektiven Benchmark-Tests. Dazu fehlt mir ganz einfach die Zeit.

Quellen/Links

Ausgewählte Modelle mit MTP und/oder APEX

Technisch/Wissenschaftliche Grundlagen

LM Studio

28. Januar 2026 um 09:49

Wer sich dafür interessiert, Sprachmodelle lokal auszuführen, landen unweigerlich bei Ollama. Dieses Open-Source-Projekt macht es zum Kinderspiel, lokale Sprachmodelle herunterzuladen und auszuführen. Die macOS- und Windows-Version haben sogar eine Oberfläche, unter Linux müssen Sie sich mit dem Terminal-Betrieb oder der API begnügen.

Zuletzt machte Ollama allerdings mehr Ärger als Freude. Auf gleich zwei Rechnern mit AMD-CPU/GPU wollte Ollama pardout die GPU nicht nutzen. Auch die neue Umgebungsvariable OLLAMA_VULKAN=1 funktionierte nicht wie versprochen, sondern reduzierte die Geschwindigkeit noch weiter.

Kurz und gut, ich hatte die Nase voll, suchte nach Alternativen und landete bei LM Studio. Ich bin begeistert. Kurz zusammengefasst: LM Studio unterstützt meine Hardware perfekt und auf Anhieb (auch unter Linux), bietet eine Benutzeroberfläche mit schier unendlich viel Einstellmöglichkeiten (wieder: auch unter Linux) und viel mehr Funktionen als Ollama. Was gibt es auszusetzen? Das Programm richtet sich nur bedingt an LLM-Einsteiger, und sein Code untersteht keiner Open-Source-Lizenz. Das Programm darf zwar kostenlos genutzt werden (seit Mitte 2025 auch in Firmen), aber das kann sich in Zukunft ändern.

Der Screenshot zeigt die Anwendung „LM Studio“ mit einem offenen Chat zum Thema „Detecting Magic Squares“. Links ist eine Chat- und Ordnerliste sichtbar, darunter „Python Learning“ und der ausgewählte Eintrag. In der Mitte steht die Unterhaltung mit einer Erklärung zu „nested lists“ und einem Python-Codeblock mit einem 3×3-Grid. Rechts sind Kontext/Model/Program-Einstellungen sowie ein System-Prompt-Editor zu sehen.

Update 15.3.2026: Rechtschreibkontrolle deaktivieren

Installation unter Linux

Kostenlose Downloads für LM Studio finden Sie unter https://lmstudio.ai. Die Linux-Version wird als sogenanntes AppImage angeboten. Das ist ein spezielles Paketformat, das grundsätzlich eine direkte Ausführung der heruntergeladenen Datei ohne explizite Installation erlaubt. Das funktioniert leider nur im Zusammenspiel mit wenigen Linux-Distributionen auf Anhieb. Bei den meisten Distributionen müssen Sie die Datei nach dem Download explizit als »ausführbar« kennzeichnen. Je nach Distribution müssen Sie außerdem die FUSE-Bibliotheken installieren. (FUSE steht für Filesystem in Userspace und erlaubt die Nutzung von Dateisystem-Images ohne root-Rechte oder sudo.)

Unter Fedora funktioniert es wie folgt:

sudo dnf install fuse-libs         # FUSE-Bibliothek installieren
chmod +x Downloads/*.AppImage      # execute-Bit setzen
Downloads/LM-Studio-<n.n>.AppImage # LM Studio ausführen

Nach dnf install fuse-libs und chmod +x können Sie LM Studio per Doppelklick im Dateimanager starten.

Erste Schritte

Nach dem ersten Start fordert LM Studio Sie auf, ein KI-Modell herunterzuladen. Es macht gleich einen geeigneten Vorschlag. In der Folge laden Sie dieses Modell und können dann in einem Chat-Bereich Prompts eingeben. Die Eingabe und die Darstellung der Ergebnisse sieht ganz ähnlich wie bei populären Weboberflächen aus (also ChatGPT, Claude etc.).

Nachdem Sie sich vergewissert haben, dass LM Studio prinzipiell funktioniert, ist es an der Zeit, die Oberfläche genauer zu erkunden. Grundsätzlich können Sie zwischen drei Erscheinungsformen wählen, die sich an unterschiedliche Benutzergruppen wenden: User, Power User und Developer.

In den letzteren beiden Modi präsentiert sich die Benutzeroberfläche in all ihren Optionen. Es gibt
vier prinzipielle Ansichten, die durch vier Icons in der linken Seitenleiste geöffnet werden:

  • Chats
  • Developer (Logging-Ausgaben, Server-Betrieb)
  • My Models (Verwaltung der heruntergeladenen Sprachmodelle)
  • Discover (Suche und Download weiterer Modelle).

GPU Offload und Kontextlänge einstelln

Sofern Sie mehrere Sprachmodelle heruntergeladen haben, wählen Sie das gewünschte Modell über ein Listenfeld oberhalb des Chatbereichs aus. Bevor der Ladevorgang beginnt, können Sie diverse Optionen einstellen (aktivieren Sie bei Bedarf Show advanced settings). Besonders wichtig sind die Parameter Context Length und GPU Offload.

Die Kontextlänge limitiert die Größe des Kontextspeichers. Bei vielen Modellen gilt hier ein viel zu niedriger Defaultwert von 4000 Token. Das spart Speicherplatz und erhöht die Geschwindigkeit des Modells. Für anspruchsvolle Coding-Aufgaben brauchen Sie aber einen viel größeren Kontext!

Der GPU Offload bestimmt, wie viele Ebenen (Layer) des Modells von der GPU verarbeitet werden sollen. Für die restlichen Ebenen ist die CPU zuständig, die diese Aufgabe aber wesentlich langsamer erledigt. Sofern die GPU über genug Speicher verfügt (VRAM oder Shared Memory), sollten Sie diesen Regler immer ganz nach rechts schieben! LM Studio ist nicht immer in der Lage, die Größe des Shared Memory korrekt abzuschätzen und wählt deswegen mitunter einen zu kleinen GPU Offload.

Der Screenshot zeigt die Grundeinstellungen beim Laden des Sprachmodells „OpenAI’s gpt-oss 120B“. Oben wird der geschätzte Speicherbedarf angezeigt, mit GPU- und Gesamtbedarf von 67,49 GB. Im Bereich „Model file“ sind die Formate MXFP4 und GGUF markiert. Darunter lassen sich Context Length (bis 131072 Tokens, aktuell 69143) und GPU Offload (36/36) per Schieberegler einstellen. Unten sind Optionen zum Merken der Einstellungen sowie der Button „Load Model“.
Grundeinstellungen beim Laden eines Sprachmodells
Der Screenshot zeigt die „My Models“-Ansicht in LM Studio mit einer Liste lokal installierter Sprachmodelle. Oben ist das Models-Verzeichnis „/home/kofler/.lmstudio/models“ sowie ein Suchfeld zum Filtern zu sehen. In der Tabelle werden Architektur, Parameter, Publisher, Modellname, Quantisierung, Größe und Änderungsdatum angezeigt, inklusive Action-Buttons pro Eintrag. Unten steht, dass 6 lokale Modelle insgesamt 202,97 GB belegen.
Überblick über die heruntergeladenen Sprachmodelle

Debugging und Server-Betrieb

In der Ansicht Developer können Sie Logging-Ausgaben lesen. LM Studio verwendet wie Ollama und die meisten anderen KI-Oberflächen das Programm llama.cpp zur Ausführung der lokalen Modelle. Allerdings gibt es von diesem Programm unterschiedliche Versionen für den CPU-Betrieb (langsam) sowie für diverse GPU-Bibliotheken.

In dieser Ansicht können Sie den in LM Studio integrierten REST-Server aktivieren. Damit können Sie z.B. mit eigenen Python-Programmen oder mit dem VS-Code-Plugin Continue Prompts an LM Studio senden und dessen Antwort verarbeiten. Standardmäßig kommt dabei der Port 1234 um Einsatz, wobei der Zugriff auf den lokalen Rechner limitiert ist. In den Server Settings können Sie davon abweichende Einstellungen vornehmen.

Der Screenshot zeigt LM Studio im Developer-Modus mit geöffnetem Dialog „Server Settings“. Links ist der Status „Running“ zu sehen und oben die lokale URL „http://127.0.0.1:1234“, unter der der Server erreichbar ist. Im Einstellungsfenster werden Optionen wie Server-Port, CORS, Local Network sowie Just-in-Time-Model-Loading und Auto-Unload per Schalter konfiguriert. Im Hintergrund laufen Developer-Logs mit Modell- und Tokenizer-Parametern.
Logging-Ausgaben und Server-Optionen
Der Screenshot zeigt das LM‑Studio-Menü „Mission Control“ mit den „Runtime Extension Packs“ unter Linux. Links ist „Runtime“ ausgewählt, in der Mitte werden ROCm-, CPU- und Vulkan‑„llama.cpp“-Engines samt Versionsständen gelistet. Für ROCm gibt es einen „Download and Install“-Button, für CPU ein Update. Rechts sind installierte Pakete und die GGUF‑Engine-Auswahl (Vulkan llama.cpp) sowie Auto‑Update-Optionen sichtbar.
Hinter den Kulissen greift LM Studio auf »llama.cpp« zurück

Praktische Erfahrungen am Framework Desktop

Auf meinem neuen Framework Desktop mit 128 GiB RAM habe ich nun diverse Modelle ausprobiert. Die folgende Tabelle zeigt die erzielte Output-Geschwindigkeit in Token/s. Beachten Sie, dass die Geschwindigkeit spürbar sinkt wenn viel Kontext im Spiel ist (größere Code-Dateien, längerer Chat-Verlauf).

Sprachmodell                  MoE        Parameter    Quant.      Token/s
-------------                 -----     ----------   ---------   --------
deepseek-r1-distill-qwen-14b  nein         14 Mrd.    Q4_K_S           22
devstral-small-2-2512         nein         25 Mrd.    Q4_K_M           13
glm-4.5-air                   ja          110 Mrd.    Q3_K_L           25
gpt-oss-20b                   ja           20 Mrd.    MXFP4            65
gpt-oss-120b                  ja          120 Mrd.    MXFP4            48
nouscoder-14b                 nein         14 Mrd.    Q4_K_S           22
qwen3-30b-a3b                 ja           30 Mrd.    Q4_K_M           70
qwen3-next-80b-83b            ja           80 Mrd.    Q4_K_XL          40
seed-oss-36b                  nein         36 Mrd.    Q4_K_M           10

Normalerweise gilt: je größer das Sprachmodell, desto besser die Qualität, aber desto kleiner die Geschwindigkeit. Ein neuer Ansatz durchbricht dieses Muster. Bei Mixture of Expert-Modellen (MoE-LLMs) gibt es Parameterblöcke für bestimmte Aufgaben. Bei der Berechnung der Ergebnis-Token entscheidet das Modell, welche »Experten« für den jeweiligen Denkschritt am besten geeignet sind, und berücksichtigt nur deren Parameter.

Ein populäres Beispiel ist das freie Modell GPT-OSS-120B. Es umfasst 117 Milliarden Parameter, die in 36 Ebenen (Layer) zu je 128 Experten organisiert sind. Bei der Berechnung jedes Output Tokens sind in jeder Ebene immer nur vier Experten aktiv. Laut der Modelldokumentation sind bei der Token Generation immer nur maximal 5,1 Milliarden Parameter aktiv. Das beschleunigt die Token Generation um mehr als das zwanzigfache:

Welches ist nun das beste Modell? Auf meinem Rechner habe ich mit dem gerade erwähnten Modell GPT-OSS-120B sehr gute Erfahrungen gemacht. Für Coding-Aufgaben funktionieren auch qwen3-next-80b-83b und glm-4.5-air gut, wobei letzteres für den praktischen Einsatz schon ziemlich langsam ist.

Rechtschreibkontrolle deaktivieren

Zu den größten Ärgernissen der LM-Studio-Oberfläche (intern realisiert auf Basis des Electron-Frameworks) zählt die stets aktive Rechtschreibkontrolle in allen Eingabefeldern. In den Einstellungsdialogen gibt es gefühlt eine Million Optionen, aber keine, um die Rechtschreibkontrolle zu deaktivieren :-( Wenn jetzt die Desktop-Sprache (deutsch) und die Sprache Ihrer Prompts (englisch) nicht übereinstimmt, wird praktisch der gesamte Text rot unterstrichen. Mühsam.

Abhilfe: Suchen Sie nach der Konfigurationsdatei, die unter Linux den Namen .config/LM Studio/Preferences hat. Dort löschen Sie alle vordefinierten dictionary-Zeichenketten für die Einstellung spellcheck. In meinem Fall sieht die neue Datei dann so aus:

{"migrated_user_scripts_toggle":true,
 "spellcheck":{"dictionaries":[""],"dictionary":""}}

Tipps zur Suche der Konfigurationsdatei bei anderen Betriebssystemen finden Sie in diesem Issue.

Quellen/Links

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